Provozieren – um jeden Preis?
Posted by Monika LohmannOkt 6
Letzte Woche ging es wieder einmal hoch her bei Xing. Nicht nur Meinungen prallten aufeinander, sondern es wallte emotional sehr hoch. Und es ging mehr als unter die Gürtellinie.
Nur … es war vom Threaderöffner so gewollt. Meint er zumindest. Mehr dazu und wie es mich bewegt hat im Video.
Hier noch der Link zu Xing, wo Sie den Plan der Inszenierung nachlesen können.
Schreiben Sie mir Ihre Meinung. Was halten Sie von solchen Aktionen? Kann man so einen Schreiber als Troll oder als gefrusteten Menschen abtun? Worin liegt der wahre Erfolg solch eines Tuns?
Kommentare auch gern als Email an m.lohmann@erfolg-reich-online.eu

Hallo Frau Lohmann,
der raue Ton ist mir in manchen Xing-Gruppen schon aufgefallen. In anderen Gruppen achten jedoch die Schreiber darauf, nicht verletztend zu werden. So habe ich auch schon erlebt, daß Entschuldigungen formuliert wurden. Das halte ich für angemessen. Ich habe jedoch kein Verständnis dafür, wenn jemand derartig provoziert.
Viele Grüße
Elke Meurer
Sehr geehrte Frau Lohmann!
Das ist mal ein sehr vernünftiger Kommentar. Der Thread war wirklich furchtbar. Zum einen aber bestätigt der Erfolg dieses Threads Luhmanns Ansicht, dass Konflikte gerade dadurch binden, weil sie auf der einen Seite hochselektiv sind, auf der anderen Seite höchst diffus. Beides geht deshalb zusammen, weil die Struktur eines Konfliktes primitiv ist, z.B. erfolgreich sein / nicht erfolgreich sein. Die Auflösung dieser Struktur jedoch läuft über ‘Verzeitlichung’ durch anderes und andere Themen, nicht durch Aktualisierung des Konflikts. (Im übrigens ist Ihr Beitrag wirklich klasse: die Majestät des Absurden betritt die Bühne, wenn ich mal mit Paul Celan so formulieren darf.)
Zum anderen erlebe ich diese Form der Diskussion immer wieder, gehe es nun um mailing-Listen zur Systemtheorie und zum kreativen Schreiben, um Nazi-Blogs, etc. Die Ursache finde ich unter anderem in der in der Linguistik altbekannten Spaltung zwischen formellen (grammatischen) und semantischen (bedeutsamen) Muster. Formelle Muster sind gleichsam Anordnungen der Materie, so, wenn ein Satz eine bestimmte Abfolge von Wörtern haben muss, um grammatisch korrekt zu sein. Semantische Muster sind gleichsam der Sinn, der entsteht, wenn ein Kopf mit diesem Satz zusammenstößt. Da wir zuerst den Sinn eines Satzes suchen, verwechseln wir gerne das semantische Muster mit dem formellen Muster. Doch wie heißt es so schon? “Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.” Mein Gegenüber sieht eben nicht mein semantisches Muster, sondern nur das formelle. Und über diesen Trugschluss heizen sich solche Diskussionen auf.
Sie hatten das übrigens, mit anderen Begriffen, vor einigen Monaten ähnlich formuliert. Ich finde bloß gerade nicht Ihren Eintrag (ich gestehe: ich bin zu faul zum Suchen).
Liebe Grüße,
Frederik Weitz
Die letzte Behauptung ziehe ich halb zurück: entweder waren das Sie, aber in Twitter oder Xing, oder es war jemand anderes.
Hallo Herr Weitz,
so wissenschaftlich zu erklären, bekomme ich nicht hin. Vielen Dank dafür.
Anscheinend wirkt es am besten, wenn man alles andere als “normal” ist oder sich zumindest so gibt oder darstellt. Aufmerksamkeit ist einem schon mal sicher dabei. Doch ich bezweifle, ob es am Ende gut für einen selbst ist.
Damit wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende
Monika Lohmann
Diesem Herrn ist der Hass schon ins Gesicht geschrieben, wen wunderts? Klar bekomme ich so Aufmerksamkeit, wie es die Medien auch betreiben und wer sich gerne den Tag herumschlägt mit Emotionen statt mit positiver Entwicklung, bitte!
Man erntet nur, was man sät und das mag sehr kurzfristig sein. Aber manchen reicht es auch, dann kommt der nächste Gag oder eine Pleite?
Also aus Prinzip lasse ich mich auf solche Inszinierungen nicht ein. Sie funktionieren zweifellos, führen jedoch zu keinen Synergien. Meiner Ansicht nach ist es sinnvoller, immer nach synergetischen Kräften zu suchen und zu nutzen, weil das einen positiven Einfluss hat.
Ich habe für mich folgende Regeln aufgestellt:
Vermeide Menschen die einen störenden Einfluss haben, suche solche, die deiner Eintwicklung förderlich sind und dir ein gutes Bauchgefühl geben.
Verlasse dich nicht auf öffentliche Meinungen.
Im Zweifelsfall halte das Gegenteil für wahrscheinlicher.
Manchmal ist es jedoch nötig seinen Standpunkt vehement und eindeutig zu vertreten. Dafür sollte dann genügend Stärke vorhanden sein und der dafür nötige Krafteinsatz sollte möglichst effizient sein um sich nicht zu verausgaben.
Der Umgang mit Emotionen ist sehr wichtig im Leben.
Wir wissen zwar theoretisch alles über Gefühle,
nur die wenigsten sind in der Lage
dieses Wissen auch anzuwenden.
Was der Umgang mit Gefühlen betrifft sind wir noch “entwicklungsfähig” um es mal euphemistisch auszudrücken. Wenn da der Fortschritt so gross wäre wie in der Technik, dann sähe es anders aus in der Welt.
Manchmal ist es auch gut zum Aufrütteln. Doch eben nur manchmal.